„Ein Sechser im Lotto“

„Für mich war die Ausbildung im BFW wie ein Sechser im Lotto“

Im August erreichte uns eine ganz besondere E-Mail – eine Einladung zur Jobmesse des Bezirksamtes Marzahn-Hellersdorf von Berlin. Man könnte sich fragen, was daran so besonders ist. Die Antwort lautet: die Absenderin! Denn Yvonne N., Personalsachbearbeiterin in besagtem Bezirksamt, lässt uns wissen, dass sie vor Jahren ihre Ausbildung im BFW Berlin-Brandenburg absolviert hat und diese Tatsache ihre berufliche Perspektive nachhaltig und positiv beeinflusste. Doch von vorne: Yvonne N. war mit Leib und Seele Erzieherin in einer Berliner Kita, über 20 Jahre lang. Zuletzt als Integrationsfacherzieherin, sie arbeitete also mit behinderten Kindern zusammen. Ihr absoluter Traumberuf, wie sie uns in einem persönlichen Interview erzählt. Doch sie litt unter Schmerzen. Jahr für Jahr streikten die Gelenke immer mehr. Die Schmerzen in Knien, Hüfte und Rücken wurden unerträglich, krankheitsbedingte Ausfälle häuften sich.

Yvonne N., 54 Jahre

„Ich wollte unbedingt an meinem Beruf und meinem Arbeitgeber festhalten, habe der Einrichtung zahlreich Vorschläge unterbreitet, welche Tätigkeiten ich übernehmen könnte, ohne permanent körperlicher Belastung ausgesetzt zu sein. Sogar eine Zusatzausbildung per Fernstudium zur Erziehungs- und Familienberaterin habe ich auf eigene Kosten absolviert, doch leider waren alle Bemühungen vergebens. Man konnte oder wollte mich nicht in meiner damaligen Dienststelle unterbringen.“

Während einer medizinischen Reha riet ihr dann die Sozialberatung der Klinik mit der Deutschen Rentenversicherung ins Gespräch zu gehen und sich über die Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (LTA) aufklären zu lassen. Ein Angebot, das sie dankend annahm.

„Schon kurz darauf hatte ich ein erstes, tolles Gespräch mit meinem Reha-Fachberater bei der Deutschen Rentenversicherung. Er bat mich einen letzten Versuch zu unternehmen, bei meinem Arbeitgeber als Erziehungs- und Familienberaterin eingesetzt werden zu können. Denn in diesem Fall hätte ich sogar die von mir privat getragenen Kosten für die Zusatzausbildung von der Deutschen Rentenversicherung erstattet bekommen.“

Auch dieser Versuch scheiterte. Was folgte, war ein Vorschlag des Reha-Fachberaters, der Yvonnes berufliche Zukunft maßgeblich verändern sollte: eine Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten im BFW Berlin-Brandenburg.

„Im ersten Moment wusste ich nicht so richtig wohin mit mir. Tausend Gedanken kreisten durch meinen Kopf. Noch einmal lernen? Bin ich dafür nicht schon zu alt? Kann ich mich wirklich damit arrangieren einer Schreibtischtätigkeit nachzugehen? Nach einiger Bedenkzeit war mir klar: So eine Chance bekomme ich kein zweites Mal. Mein Reha-Fachberater leitete dann alles umgehend in die Wege. Er hat sich wirklich sehr für mich eingesetzt, damit ich so schnell wie möglich starten kann.“

Dann begann für Yvonne N. am Standort Mühlenbeck die sechswöchige erweiterte Berufsfindung und Arbeitserprobung, die die Eignungsdiagnostik, Abklärung der psychischen Belastbarkeit und die berufliche Orientierung beinhaltet. Um das Lernen erst einmal wieder zu erlernen folgte ein Reha-Vorbereitungslehrgang.

„Ich muss sagen, dass mir die Vorbereitung tatsächlich geholfen hat, um überhaupt erst einmal die Strukturen zu verstehen und mich wieder an den Frontalunterricht zu gewöhnen. So konnte ich mich dann während der eigentlichen Umschulung zur Verwaltungsfachangestellten voll und ganz auf die Inhalte konzentrieren.

Während meiner Zeit im BFW ist mir besonders die Rundumbetreuung im Gedächtnis geblieben. Sowohl die Psychologen als auch die Reha- und Integrationsmanager hatten jederzeit ein offenes Ohr und waren für mich einfach unbezahlbar. Auch die Angebote der Physiotherapie und die Möglichkeit, die tolle Schwimmhalle zu nutzen, waren klasse. Und dann wird man auch noch in der hauseigenen Kantine hervorragend verpflegt. Ich kann nur sagen, dass das BFW für Leute wie mich, also Menschen, die ihren alten Job aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr machen können, wie ein Sechser im Lotto ist.“

Die Integration in den Arbeitsmarkt verlief hingegen nicht so unkompliziert, wie es sich Yvonne und das BFW gewünscht hätten. Zum damaligen Zeitpunkt war der Arbeitsmarkt gesättigt, der Einstieg in den öffentlichen Dienst von außen nur schwer möglich. Doch Yvonne blieb hartnäckig.

„Ich konnte und wollte nicht aufgeben. Schließlich hatte ich schon so viel erreicht und offensichtlich hat mich die Zeit im BFW auch mental gestärkt. Ich blieb also dran, führte zahlreiche Bewerbungsgespräche und als ich schon fast nicht mehr daran glaubte, hat es endlich geklappt. Ich bekam eine Anstellung im Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg von Berlin und absolvierte dort noch einmal eine Zusatzqualifikation zur Personal-Sachbearbeiterin.

Als ich dann eine Stellenausschreibung mit identischem Tätigkeitsfeld aus dem Bezirk Marzahn-Hellersdorf von Berlin sah, bewarb ich mich und lies mich versetzen. Denn hier hatte ich bereits meine beiden Praktika während der Ausbildung im BFW absolviert und kannte schon einige Kolleginnen und Kollegen. Zudem wohne ich in der Nähe, was den Arbeitsweg deutlich verkürzt. Und auch wenn ich immer noch hin und wieder an meinen Beruf als Erzieherin denke, bin ich endlich angekommen und glücklich in meinem neuen Job.“